Jeff Mills
Wie sangen Faithless so schön "God Is A DJ" und wenn das wirklich so wäre, würde dieser mit Namen Jeff Mills heissen! Er gehört unbestritten zu den weltbesten und vor allem auch schnellsten DJs der Welt.
Beim Mix pflegt Mills jeweils nur gerade die essentiellsten Minuten oder gar Sekunden zu spielen. Diesen Eklektizismus hat er sich bei seiner Radioshow, welche er Mitte der Achtziger als "The Wizard" beim Detroiter Radiosender WJLB hatte, angeeignet.
Zu dieser Zeit spielte Mills vorwiegend HipHop, das aber mit atemberaubenden DJ-Skills. Ein DJ-Set von Jeff Mills muss man sich als Rausch an Beats, Scratches, Loops und Backspins vorstellen.ln Detroit wurde er zum gefeierten Star der Radio-DJs und dies bei einem Sender, der heute noch für seine MixShows bekannt ist. 1989 schloss sich Mills mit Mad Mike Banks zusammen, und gemeinsam entwickelten sie das heute noch kultige Projekt Underground Resistance, ein Mysterium, das musikalisch und politisch versuchte, festgefahrene Zustände zu verändern. Musikalisch gelang dies auch zweifellos. Was Kompromisslosigkeit und Härte anbelangt, sind UR Wege gegangen, die von der heutigen Hardcore-Gemeinde erst Jahre später beschritten wurden. Man kämpfte gegen Konventionen. Veröffentlichungen von UR waren nur schwer zu bekommen und wurden sogar teilweise nur in einem Plattenladen verkauft.
Einige Releases wurden so gepresst, dass sie auf konventionellen Hi-Fi-Automatik-Plattenspielern nicht oder nur bedingt abspielbar waren (durch von innen nach aussen laufenden Rillen oder Unterbrechungen dieser). Revolutionäre Parolen im Kampf gegen das "Programming" zierten die Platten-Ettiketten und bei Live-Auftritten, bei welchem sie von Robert Hood als MC unterstützt wurden, trugen sie stets Masken. Robert Hood wurde später dann auch festes Mitglied der Combo. Veröffentlichungen wie die "X-10X"-Serie, The Punisher" und "Acid Rain" werden zu Klassikern des Underground Techno und massenhaft kopiert. Ende 1992 trennt sich Jeff Mills von Mad Mike Banks und verlässt Detroit. Im berühmten New Yorker Limelight findet Mills einen Platz als DJ. Hier sehen manche den Bruch vom gesichtslosen Underground-Fanatiker zum aufstrebenden Helden der Schickeria. Aber Mills straft alle Zweifler mit der Gründung seines eigenen Labels Axis, welches er anfangs mit Robert Hood, der mit ihm UR verlassen hat, betreibt.
Die ersten Veröffentlichungen führen den mit UR begonnen Weg in eine neue Dimension weiter und lassen keinen Zweifel an der Aufrichtigkeit des Meisters offen. Durch den Ende der 80er entstanden Kontakt zu Tresor, bzw. Interfish, schafft Mills schnell Brücken zwischen Detroit und Berlin-denn beide haben die Perspektivlosigkeit als Ausgangspunkt. Einige Jahre lebt Mills sogar in der deutschen Hauptstadt, bevor er sich ein weiteres Mal unstrukturiert und eine neue Basis in Chicago aufbaut. Mittlerweile haben sich die Wege von Hood und Mills getrennt.
1994 veröffentlichte Mills seine "Cycie EP", mit der er die Szene überraschte und faszinierte, denn auf der B-Seite befinden sich nur acht Endiosrillen! Diese Scheibe besteht komplett aus digitalen Sounds und galt fast schon als eine kleine Revolution im Analog-Wahn der beginnenden 90er-Jahre. Jeff Mills konzentriert sich auf das Wesentliche, sei es nun bei einem DJ-Set oder einer Produktion. Um seinen Wunsch nach brauchbaren DJ-Tools intensiver nachzukommen, gründete er 1996 das Sublabel Purpose Maker. Veröffentlichungen unter diesem Etikett sind eine Mischung aus House und Techno, angereichert mit sehr vielen perkussiven Elementen. Mills geht in Produktionen immer konsequent seinen Weg und lässt sich von den Verlockungen der Industrie wenig bis gar nicht beeindrucken, ausser Form und Inhalt stimmen. Seit über zehn Jahren ist Jeff Mills eine der einflussreichsten Persönlichkeiten im globalen Techno-Netzwerk.
Als einer der wenigen hat er es geschafft, die Grenzen zwischen Djing und Produzieren zu verwischen und gleichzeitig eine ganze Bewegung zu inspirieren und beeinflussen. Neu ist er mit dem Label Tomorrow am Start.
Quelle: Energy
Originalinhalt von 911-party.com (Archiv, Stand November 2001) · ← alle Reports

