Evolution 8
Endlich war es soweit! Silvester, darauf hatten wir alle schon lange gewartet. Die teilweise doch recht mühsame Weihnachtszeit war heil überstanden, und wir konnten uns nun getrost der Party des Jahres zuwenden. Bei den meisten galt das Motto: Es ist ja schliesslich Silvester, da müssen wir im alten Jahr noch einmal so richtig Gas geben. Als Vorsatz fürs neue Jahr nahm man sich: seriöser zu leben. Nach zwei Jahren Pause, kehrte die zweitgrößte Raveserie in das Zürcher Kongresshaus zurück. Begonnen hat alles am 13. Mai 1995 mit der Evolution 1, wo unter anderen auch "The Prodigy" spielten. Viele dieser Parties sind seither über die Bühne gegangen und wohl auch durch die Evolution sind zig tausend von Jugendlichen "technosüchtig" geworden.
Groß, kam auch die entsprechende Webekampagne daher. So wusste jeder Technoanhänger schon früh was er am Silvester zu tun hatte. Etwas abschreckend war allerdings der Eintrittspreis von Sage und Schreibe CHF 62.-, was selbst für Silvester ein bisschen happig erschien. Nichts desto trotz war die Veranstaltung gegen Sonntagmorgen ausverkauft, dies wurde an den Bahnhöfen sowie im Internet veröffentlicht. Trotzdem hatte es am Sonntagabend erstaunlich viele Leute, welche ohne Ticket angereist waren. Über die Lautsprecher wurden die Leute gewarnt, dass viele falsche Tickets im Umlauf seien. So musste die Security vielen Besuchern mit gefälschten Tickets den Eintritt verweigern. Der Schwarzhandel war zwar nicht so schlimm wie einst in Roggwil, aber ich habe dennoch einige Male beobachtet wie Tickets für CHF 150.- den Besitzer wechselten.
Zum Glück kam man von der eisigen Kälte recht rasch in das angenehm warme Kongresshaus, wo man sich gleich für die Garderobe anstellen konnte. 7 verschiedene Floor's wurden dieses Mal geboten, bei der Auswahl zwischen Trance, Clubtrance, House, Techno, 2'Step, Hardcore und Ambient sollte wohl jeder etwas passendes finden. Ich aber verfolgte eine etwas andere Taktik. Durch das wilde umherirren, war ich in allen Floor's ein bisschen und sah so für meinen Eintritt einiges. Durch eine grosse an die Wand projizierte Uhr wurde denen geholfen, die um Punkt 00:00 h die Korken knallen lassen wollten. Nach dem grossen Augenblick wurde überall umarmt, geküsst, Champagner getrunken und getanzt. Glücklicherweise wurde ich dieses Jahr von einer größeren Champagnerdusche verschont. Wenn man das Zeugs trinkt, anstelle es einander anzuspritzen, so bleibt die Haut schön trocken und verklebt nicht durch den Sekt. Der Champagner zeigte beim Partyvolk seine Wirkung, indem die Stimmung nach Mitternacht noch einmal um einiges anstieg. Ab diesem Zeitpunkt, viel es mir auf, dass viel zu viele Leute ins Kongresshaus gelassen wurden, so dass alle Räume gerammelt voll waren. Die Stockwerke zu wechseln war zeitweise fast unmöglich. Ich habe für die Haupttreppe glatte 25 Minuten gebraucht. Auch wer mit dem Gedanken gespielt hatte, gleich im neuen Jahr einige Neujahrsgrüße zu versenden, der musste feststellen, dass das ganze Natelnetz völlig überlastet war und deshalb gänzlich zusammenbrach. Erst so gegen 02.30 Uhr konnte wieder telefoniert werden. Zum Glück funktionierte der Barbetrieb immer tadellos, denn im Trancefloor herrschten mörderische Temperaturen. Was mich im Laufe des Abends respektive gegen Morgen immer mehr störte, war der Abfall auf dem Boden. Das Tanzen wurde aufgrund von herumliegenden Pet Flaschen, Rücksäcken, und einzelnen Personen immer gefährlicher. Die Stimmung war trotzdem überall gut und bis gegen sechs Uhr in der Früh war zu keiner Zeit ein Besucherschwund zu erkennen.
Eins war aber wirklich traurig: trotz der schlechten Erfahrungen an der letzten Evolution vor 2 Jahren konnte nicht verhindert werden, dass auch an diesem Silvester eine Garderobe gestürmt und dadurch viele Jacken geklaut wurden! Lieber Veranstalter, für diesen Eintrittspreis hofft man auf eine relativ sichere Garderobe. Da bleibt nur die Hoffnung, dass es nächstes Jahr besser wird. Ansonsten war an diesem Anlass nichts auszusetzen. Für mich ist die Evolution eine geniale Art das neue Jahr so richtig willkommen zu heissen und mit ihm gleich einige neue Vorsätze zu brechen...
by Marcel
Originalinhalt von 911-party.com (Archiv, Stand November 2001) · ← alle Reviews

