Gurtenfestival 2000
Trotzdem, dass wir auf mehrere Akkreditions-Anfragen bei Appalooza keine Antwort bekamen, haben wir es trotzdem geschaft am Gurtenfestival teilzunehmen. Scheinbar war unser "Magazin" ihnen nicht würdig genug oder sie haben es einfach nicht hingekriegt. Bei all dem Stress verständlich. Schlussendlich mussten in drei Tagen rund 45 000 Personen irgendwie zufriedengestellt werden.
FREITAG 14.Juli 2000: Moby, Laurent Garnier
Stellt euch vor, den ganzen Tag regnet es in strömen. und kein Ende in Sicht. Ihr wisst, dass das Festival unter freiem Himmel stattfindet. Ihr habt vernommen, dass Täglich um 15'000 Personen erwartet werden. Also auch heute. Welche Art der Kleidung wäre somit geklärt. (Fotos auf www.911-party.com) Oh wird das öde sich dort hinaufzukämpfen, schlange zu stehen, Regen, Kälte und noch viel schlimmere Sachen. Das Ticket gelöst (3 Tage) und kein bisschen schön. Sch... so was nicht war ? Somit überliess ich den Fraitag meinem Kollegen.
Nachdem ich schon morgens auf der Hinfahrt von Pratteln nach Bern total durchnässt wurde (auf dem Motorrad), störte mich das elendiglich schlecht Wetter in der schweizer Hauptstadt nicht mehr. Also begaben wir uns um 10.00 Uhr in Richtung Gurten, wo wir dann nach der Parkplatzsuche und dem "Aufstieg" von 20 Minuten um 11.00 Uhr ankamen. Leider erwartete uns nicht das Bild, das wir uns gewünscht hatten. Trotz strömendem Regen standen bereits hunderte von Personen an, um die ersten zu sein. Der Vorteil liegt auf der Hand: einen guten Platz für ein Zelt (Plastikblachen). Als dann um 12.00 Uhr endlich die Portale zum Open-Air Festival geöffnet wurden, fing das Gedränge an. Die Warterei wurde mit der musikalischen Unterstützung von MC Anliker (Mokka, Thun) bestraft!
Nach dem Zeltaufbau schauten wir uns auf dem Gelände um und genehmigten uns einen Appetizer (Cuba Libre). Andere hielten sich an einen der vielen Bierstände und/oder Bars (Geheimtip: Appalooza Bar). (Details Gelände siehe Samstag, Bericht ThZ).
Der Auftritt der Pet Shop Boys war aus meiner Sicht der erste Sonnenschein des Tages: überwältigende Video-Projektion und beste Soundqualität heizten den Besuchern des Festivals tüchtig ein. Die Musikpalette der PSB war wie gewohnt abwechslungsreich von alt bis neu (you only say you love me when you're drunk). Nun war Moby angesagt. Tolle Lichtshow (besser als PSB) und gute (Explosions)effekte sorgte im Publikum für Stimmung. Moby gab alles auf der Bühne und tobte von A-Z. Er brachte alle bekannte Stücke und motzte sie mit kleinen Intermezzos auf. Die Zugabe wurde von den am trockenen (Zeltbühne) Johlenden als Höhepunkt aufgefasst.
SAMSTAG 15. JULI 2000: Guano Apes, Superfunk feat. Ron Caroll, Lunik
Dieser Tag präsentierte sich gemäss Wettervorhersage etwas besser. OK viel besser. Etwas Sonnenschein garniert mit Regengüssen. Temperatursturz und wieder etwas weniger kühl. Sogar eine kleine Schneeballschlacht wurde möglich. Ich selbst übernachtete nicht auf dem Areal, wer die Bilder studiert weiss warum. Bei unserer Ankunft befand sich Michi von der Heide im Endspurt. Zum Glück ist Musik Geschmacksache. Lunik in der Zeltbühne präsentierte sich passabel, die Gäste machte auch gut mit. Hier gefiel mir die Musik schon massiv besser. Florian Ast bekamen wir nur von weitem mit, wir waren daran das Gelände zu inspizieren. Schon erstaunlich was 45'000 erwartete Besucher alles bewirken können. Videogrüsse übers Internet ? Kein Problem. Den Drang zu Surfen ? wird befriedigt. Natel kein Saft mehr? Ladestationen stehen zur Verfügung. Kein Natel? Swisscom stellt Telefone bereit(Natel) die nicht Handybesitzer und andere benutzen können. Wird das Bargeld etwas knapp? Zwei Postomaten wurden installiert. Erinnerungsfotos für das Tagebuch? gegen Postomatkärtchen als Pfand bei Postfinance konnte man eine (mini)Polaroid ausleihen, gratis. Hunderte Regenschütze wurden verschenkt, Käppis und sonstige Sachen. Dutzende kleine und grössere Stände die jedes nützliche und unnütze Ding verkaufen möchten. Ein Wettbewerb hier, Shiatsu-Massage dort, eine Kletterwand, damit man ein Mountainbike gewinnen konnte(SportMaxx). Ihr seht, da wurde einem vieles gezeigt und geboten. Das Essen war ebenso vielfältig, allerdings musste man da schon in die Taschen greifen. Zwei Dinge störten mich. Zum Ersten, der Crepes-Stand, der die billigsten ab Fr. 6.50 verkaufte. Ich sah die Portion und oh Graus, da hätte ich (1m87 / 84 Kg) mindesten 5 davon gebraucht bis mein kleiner Zeh etwas davon abbekommen hätte. Zum Zweiten waren da noch die Früchte (Bananen, Nektarinen, Äpfel) für Fr. 1.50. Der Asiatische Stand verkaufte auch nicht gerade günstig und das Preis-Leistungs- verhältniss der Chicken-Nuggets zeigte sich nicht gerade von der besten Seite. Die Spaghettis: schon besser. Aber ungeschlagen waren die Pizzas. Sogar nach ihrer Massenabfertigung und Misshandlung durch Messerschwingende Pizzastücke-Schneider verloren sie nichts von ihrer Anziehung.
Und ab ging es zu Guano Apes. Die Menge tobte und "pogte", sprang und johlte. Wer da in den vorderen Rängen nicht mithalten konnte, tat besser daran nach hinten zu wandern. (Ein malträtierter Zehe) War ja nicht meine Musik, machte trotzdem Spass. SUPERFUNK: Was soll man da noch sagen. bombastisch!! Das Intro verlief zuerst instrumental. Die Menge wartete geduldig auf den musikalischen Durchbruch. Die Musik wurde melodiöser und dann kam er: ungefähr 150 kg, 180cm. Ron Carroll, mit einer Stimme wie Brion Stingley, nur zwei (oder mehr) Oktaven tiefer. Voluminöse Klänge untermalten die Instrumentalmusik von Superfunk. Obwohl sich Superfunk seit einiger Zeit als Remixer ihr Brot verdienen, haben sie das DJ-ing nicht verlernt. Nahtlose Übergänge und abwechslungsreiche Stücke führten das Publikum zum musikalischen Orgasmus. Diverse Piano-intermezzos und Scratch-sequenzen zeichneten die DJ hinter ihren Plattentellern aus.
Ohne Ronnny-Boy wäre dies alles aber nur halb so wild gewesen. Dies zeigte die tanzende Menge am Schluss auch, als Ron die einzelnen Bandmitglieder vorstellte. Leider ging Ron wohl mal die Puste aus, so dass kurzerhand ein DJ einsprang, dessen namen ich nicht nennen möchte: dieser jene brachte es doch tatsächlich fertig, nach melodiösen Vocal-House Progressiv zu bringen. Die Zutanzer wurden zu Zuschauer und liefen dann allmählich davon. Dies war wohl nicht im Interesse des Organisators oder von Superfunk, also gaben SF und Ron Carroll noch eine Zugabe. Das Publikum kam wieder in Partystimmung und die Zeltbühne füllte sich wieder. Nach diesem Erlebnis war dann etwas Abkühlung erforderlich, der nächste Cuba Libre (oder Gin-Tonic ?) war fällig.
SONNTAG 16. Juli 2000: JAZZKANTINE; MOLOKO
Mit einer Kamera bestückt machten wir uns auf die Socken und in die Schuhe. Militärstiefel übrigens, die von der Mehrzahl der männlichen Besuchern getragen wurden. Über die Schlammschlachterei zu schreiben, die wir antrafen, dazu fehlen mir die Worte. So etwas muss man erlebt haben und keine Wörter können dies treffend beschreiben. UNGLAUBLICHE SCHWEINEREI reicht nicht :-)))) Auch hier der Verweis auf die Fotogallery, alle Fotos wurden übrigens am Sonntag geschossen. Ich freute mich besonders auf Jazzkantine und Moloko. Die Ersteren gaben alles, Show von vorne bis hinten und super Musik. Abwechslung in der Musik mit Solos, die Allesamt sehr gut gespielt wurden und entsprechende Würdigung fanden. Das Publikum liess sich manipulieren von A bis Z aber jeder, auch die Musiker hatten ihre Freude daran.
Moloko war speziell. Super cooler, sehr spezieller Sound. Vergesst die Stücke die ihr aus dem Radio kennt (Sing it back / Time is now) Die Musik katalogisieren kann ich nicht. Etwas elektronisch gemischt mit Live-Schlagzeug und Gittarren ergaben eine Mischung die sehr abstrackt daherkam. Einige der Besucher wirkten auf mich wie vor den Kopf gestossen und waren vermutlich enttäuscht. Die meisten erholten sich wieder und im Grossen und Ganzen wurde es eine gelungene Show. Moloko gab mir den Eindruck dass sie nicht unbedingt viel Bühnenerfahrung hätten. Sie machten ihre Sache aber sehr gut. Sehr speziell war die Art wie sich die Artisten präsentierten.
Der Sonntag neigte sich dem Ende zu. Es begann zu dämmern und die meisten trollten sich nach Hause. Vieles blieb liegen, irgendjemand würde es dann schon wegräumen. Eine letzter Rundumblick (Pfui deibel) und auch wir wateten durch den Schlamm gen Ausgang. ThZ
Originalinhalt von 911-party.com (Archiv, Stand November 2001) · ← alle Reviews

