Ibiza Feeling
Unser Ausflug in den Wilden Westen begann mit einem kurzen Aufwärmen im am Headhunters 4 im Gaskessel in Bern, dann hiess es ab nach Genf, zur Eröffnung des neuen Palais.
Von Vorfreude auf die bevorstehende 'Ibiza Feeling'-Party konnte nicht direkt die Rede sein. Erstens, weil die Headhunters im Gaskessel zum Bleiben verlockte, und zweitens, weil Genf ja nun doch nicht vor der Haustüre liegt. Zudem hatten wir alle vier zusammen die letzte Nacht etwa so viel geschlafen wie eine normalgesunde Person alleine, und zudem waren da natürlich noch die Erinnerungen an den alten Palais, die ein gewisses Misstrauen gegenüber der Neueröffnung des Clubs in einer neuen Location durchaus begründet.
Der alte Palais in Genf war neben dem Wankdorf-Stadion das einzige Gebäude in der ganzen Schweiz, in dem ich je die Angst der Gallier nachvollziehen konnte, dass mir der Himmel auf den Kopf fallen könnte. So ja auch geschehen 1999. Und das war nur eine der vielen Geschichten, die dem einstmal guten Ruf des Ancien Palais ordentlich Schaden zugefügt hatten im vergangenen Jahr. Und wenn es je eine Auszeichnung für die schlimmsten Toiletten in einem Club gegeben hätte, wäre der Ancien Palais sicher als Favorit nominiert worden.
Aber der alte Palais sollte ja nun nach einer eher müden und letzten von Problemen gezeichneten Party im Herbst der Geschichte angehören. Und weil ich prinzipiell nichts gegen Neuanfänge habe, gab ich dem neuen Palais eine Chance.
Wir kamen also gegen halb eins in Genf an und hatten auch keine Mühe, das Teil zu finden. Wer weiss, wo der Ancien Palais lag, finden auch den Nouveau Palais, einige hundert Meter entfernt. Man sollte sich nicht davon abschrecken lassen, dass es von aussen aussieht, als fände die Party in einem Parkhaus statt, inklusive netter Beleuchtung und so. Es geht nämlich runter und einmal drinnen, war mir der neue Palais gleich viel sympathischer als der alte. Abgesehen vom tropischem Klima, das man aber im Rahmen einer Ibiza-Party entschuldigen konnte, fühlte ich mich wohl. Nur das Grünzeug, das überall im Weg rumstand und die Aussicht versperrte, ging mir auf die Nerven, aber sonst fand meine kritisches Auge kaum etwas, woran ich etwas aussetzen könnte. Noch etwas gewöhnungsbedürftig vielleicht die Tatsache, dass es im neuen Palais nur noch einen Dancefloor gibt. Akuter Platzmangel ist die logische Folge und man könnte leicht zum Klaustrophobiker werden da drin.
Die Party, inklusive Tänzerinnen und Musik von Djs wie der Lokalgrösse Willow, Scott Project aus Deutschland und unseren zwei Bernern Sonic-T und Dynamic, die ein Pingpong-Set zum besten gaben, gab aber allen Pessimisten und Nasenrümpfern unrecht. Der neue Palais war am Kochen und die Leute feierten wie die Wilden, wie die Genfer das eben tun. Da ist nichts von Zürcher Kühle oder Berner Freundschaftlichkeit, angemacht wird in der Romandie ebenso derbe wie getanzt und getrunken. Anything goes.
Der Organisator, von dem ich nur den Kosenamen Spaghetti in Erinnerung behalten habe, strahlte verständlicherweise den ganzen Abend übers ganze Gesicht angesichts der geilen Party, die er da ins Leben gerufen hatte. Er war aber trotzdem Geschäftsmann genug, mir gegenüber hart zu bleiben und mir keines von seinen schönen und offenbar raren Halsbändern mit der Aufschrift 'LAB' zu vermachen. Ich rechne ihm aber hoch an, dass im neuen wie schon im alten Palais dank ihm immer genug Flüssiges (gratis, meine ich natürlich) für Djs, Begleitung und sonstige geladene Gäste zur Verfügung steht, was ja heute nicht mehr gerade zum Standard gehört.
So gegen vier hatten wir aber dann doch genug von der welschen Gastfreundschaft und machten uns auf den Heimweg. Und da kam mir, schon im Halbschlaf, noch ein letzter Grund für einen Partyabstecher ins Welschland hin und wieder in den Sinn, den ich im Bericht erwähnen könnte: Man kann da fahren wie Sau und parkieren wie man will, ohne dafür- wie in Zürich - mit Bussen im Wert von einigen Lappen in der Tasche zurückzufahren und die Woche darauf noch mit netten Erinnerungsphotos aus Radarfallen beglückt zu werden.
Cu at the next party, Eure Lulu (LuW)
Originalinhalt von 911-party.com (Archiv, Stand November 2001) · ← alle Reviews

