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Nature One

04.08.00 · Kastellaun (D) · MaJ
reviewNature One911

Kurz vor der Streetparade fand, wie schon Jahre zuvor, das immer beliebte Nature One Festival statt. Erstmals in der Geschichte des Festivals wurden die Tore des Campingplatzes bereits am Donnerstag geöffnet. Huch, die Anreise. Das schlechte Wetter wollte uns zuerst die gute Laune vermiesen. So entschlossen wir uns, erst am Freitag in unser Auto zu steigen, um den 400km langen Weg nach Kastellaun in Angriff zu nehmen. Staus, Staus, Staus. Dank langweiligem stockendem Kolonnenverkehr vergeudeten wir 4h Stunden unseres kostbaren Lebens. Halb so wild, denn es regnete ja und somit war die Party perfekt.

WOW - oh shit! war die Reaktion, als wir völlig erschöpft und schon geil auf einen fetten Bass feststellen mussten, dass 100 andere die gleiche Idee hatten wie wir und ebenfalls auf dem Campingplatz eine Ecke für ihr Zelt suchten. Dank jahrelanger Pfadfinder Ausbildung, brauchten wir nur 2h um die 2 Zelte aufzustellen. Hut ab. Jawohl. Schlussendlich und wirklich endlich, war dann auf dem Raketengelände Partytime angesagt. Ein Lob an das Nature One Team. Sie haben sich riesig Mühe gegeben und haben das letztjährige Festival bei weitem übertroffen. Das heisst nicht, dass es letztes Jahr nicht gut war.

Ein riesiger Open-Air Floor, 12 Raketenhangars und dazu unzählige Zelte. Apropos Zelt. Das Energie Veranstaltung GmbH Zelt vertrat erstmals würdig die Techno-Schweiz. Unter anderem legten DJ’s wie Sonic-T. Pure, Noise, Nonsdrome und Mind-X auf. Cool. Petrus sparte mit schönem Wetter an diesem Wochenende. Regen und Kälte (nicht eisig aber eben nicht heiss) nagten an unserer Kondition. Das ganze Rave-Gelände glich einem riesigen Jahrmarkt; jedoch mit geiler Musik. Auffällig war, dass die meisten der trotz schlechten Wetters angereisten Besucher alle älter waren. Im Vergleich zur Schweiz traf man hier nur selten auf Teenies. Einige der Highlights dieses ersten Abends waren Marusha, Pascal F.E.O.S., Mark Spoon, Jeff Mills, Hell, Tom Novy... Wie immer nahmen wir uns vor, nicht zu lange zu bleiben. Denkste. Komischerweise verliessen wir das Gelände erst nachdem es hell wurde. Dumm gelaufen.

Neuer Morgen, neues Glück, konnte man an diesem Morgen nicht sagen. Es ereignete sich ein Autounfall in der nähe des Festival-Geländes. Die Feuerwehr hatte einige Arbeit, bekamen den Brand aber in den Griff. Schlafen ist was für Schlaffis. Einige Hobby-DJ trugen auf dem Campingplatz mit ihren extra angeschleppten Anlagen private DJ-Contests aus. Am Samstag Nachmittag musste man im Hallenbad von Kastellaun sein. Wer sich bei schönem, friedlichem Techno waschen wollte, war hier genau richtig. Und nebenbei konnte man sich für den Abend stylen. Frisch gestylt und voller Energie trafen wir abends wieder auf dem Campingplatz ein. Es herrschte bereits geile Partystimmung. Lange hielt es uns jedoch nicht auf der schlammigen Campinganlage und noch bei Sonnenschein (man staune), begaben wir uns auf das von uns verehrte Festivalgelände. Wie man aus dem vorigem Satz entnehmen konnte, hatte Petrus oder wer auch immer, mehr Erbarmen mit uns. Besuchermässig waren es heute einige mehr als am Freitag. Das geile Line-up veranlasste einige Raver, die Party erst am Samstag zu besuchen. Einige Leckerbissen des Abends: Blank&Jones, Westbam, Taucher, Tom Wax, Miss Yeti, Chris Liebig und viele deutsche Star-DJ’s. Die geniale Sound- und Lichtanlage des Open-Air Floors stellte wohl alle Open-Air-Partys in den Schatten. Sogar der Boden war betoniert. Dies bewahrte uns glücklicherweise vor einer Megaschlammschlacht. Die meisten Hauptwege des restlichen Geländes hatten sie mit den allbekannten sechseckigen PVC-Platten (erinnert euch an die Motion) belegt. Negativ fielen die versifften Plastiktoiletten auf, welche fürchterlich nach Fäkalien stanken. Im Gegensatz zur Motion waren die heiligen Häuser beleuchtet, was sich aber nicht unbedingt zu einem Vorteil herausstellte, da man nun sah, was da so grausam stank. In der Schweiz regt sich jeder vernünftige Technoid über die Schallbegrenzung auf. Ist doch so oder? Dann geht doch nach Deutschland lautet darauf die Antwort des Einten oder Anderen. Das kennen die in Deutschmanien nicht. Alles was recht ist - Aber teilweise konnte man die Laute der geilen Musik kaum ertragen. Obschon die Hauptbühne die besten DJ’s hatte, musste man eine grosse Überwindungskraft aufwenden, um die schön warmen Hangars zu verlassen.

Um 02.00 Uhr schallten Töne wie Pistolenschüsse durch die Nacht. Gott sei dank war dies nur der Anfang eines riesigen Feuerwerkes. Die Veranstalter haben hier keinen Aufwand gescheut. Wer noch den besonderen Kick suchte, konnte einen Bungeesprung wagen. Als gegen 6.00 Uhr langsam die Sonne den Himmel erleuchtete, versammelten sich die meisten auf den 12 Hangars, um den Sonnenaufgang zu genießen. Da es aber weiterhin kalt blieb, beschlossen wir, uns auf den Heimweg zu begeben. Zu unserem Glück hatten wir schon gestern unsere Zelte abgebrochen und unser Auto mit Hilfe eines Traktors aus dem Schlamm gezogen und umparkiert. Ich möchte nicht einer der tausend festsitzenden Partypeople gewesen sein, die wohl bis am späten Nachmittag auf einen freien Traktor warten mussten.

Die Heimfahrt verlief ohne Probleme und wir kamen schliesslich nach vier Stunden Autofahrt alle erschöpft, aber gesund, in der Schweiz an.

MaJ

Originalinhalt von 911-party.com (Archiv, Stand November 2001) · ← alle Reviews